Katholische Grundschule, Kempten

Besuch und Interview mit Staatsminister Thomas Kreuzer in der Josef-Kentenich-Schule 

(Der Besuch fand ein halbes Jahr vor Schuleröffnung und noch vor Beginn der Umbaumaßnahmen statt.) 

 

Herr Kreuzer, was erwarten Sie von einer katholischen Schule in Kempten?

 

Die katholischen Schulen in Bayern bieten nicht nur ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot. Sie sind für viele Eltern auch deswegen so attraktiv, weil sie in Punkto Werteerziehung Maßstäbe in der Schullandschaft setzen. Sie vermitteln glaubwürdig einen inneren Wertekompass, der für die Zukunft der jungen Menschen genauso entscheidend ist wie Wissen und Kompetenzen. Die katholischen Schulen sind eine wertvolle Ergänzung der staatlichen Schulen in unserer bayrischen Bildungslandschaft. Sie unterstützen uns wesentlich dabei, den umfassenden Bildungsauftrag zu erfüllen, den unserer Verfassung uns aufgibt. 

 

Herr Kreuzer, welche Rolle spielt Schule heute in unserer Gesellschaft?

 

Wir leben in einer offenen, demokratischen und auf christlichen Werten beruhenden Gesellschaft. Eine dynamische Gesellschaft, in der breite Teile an der öffentlichen Meinungsbildung teilhaben wollen. Das Fundament einer solchen Gesellschaft sind kritische, verantwortungsbewusste, kreative, diskussions- und handlungsfähige Menschen. Schule hat die Aufgabe, Kindern und Jugendlichen Bildung zu vermitteln, damit sie sich zu reflektierenden und verantwortungsbewussten Menschen entwickeln können. Unserer Kinder sollen in der Schule einen umfassenden Werkzeugkasten erhalten der sie ein Leben lang zum Lernen befähigt. Da reicht die klassische Wissensvermittlung nicht mehr aus. Nehmen Sie beispielsweise den Umgang mit neuen Medien. Die Welt des Internets verändert sich dermaßen schnell, dass es überhaupt keinen Sinn macht, sich in der Schule auf die Vermittlung von „Anwendungswissen“ zu beschränken. Vielmehr muss es darum gehen, den Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet näher zu bringen. Medienkompetenz als fest verankerte Querschnittsaufgabe in den Lehrplänen. Das heißt: Der sinnvolle und reflektierte Umgang mit den Medien wird in allen Fächern eingeübt. Nicht zuletzt daran knüpfen wir mit unserem „Medienführerschein Bayern“ und seinen Modulen an.

 

Welchen Rat geben Sie Eltern, die das Beste für Ihr Kind möchten?

 

Eltern sind immer auch Vorbilder für ihre Kinder. Im Idealfall leben Eltern ihren Kindern vor, wie bereichernd Bildung für das Leben ist. Es ist wichtig den Kindern zu zeigen, dass man am schulischen Alltag interessiert ist, ohne dabei die nötige Gelassenheit zu verlieren. Erziehung ist natürlich in erster Linie die Aufgabe der Eltern. Ein ganz wesentlicher Teil der Erziehung findet heute aber auch in der Schule statt. Eine bestmögliche Förderung ohne Überforderung der Kinder wird nur gelingen, wenn Eltern, Schule, Lehrerinnen und Lehrern eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit, das wäre mein Wunsch - kein Rat.

 

Welche Werte muss Schule heute vermitteln im Blick auf den Zusammenhalt der Gesellschaft?

 

Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beruht auf gemeinsamen, christlichen-abendländisch geprägten Werten. Wertorientierung wird zunächst im Elternhaus erworben und durch den Erziehungsauftrag der Schule ergänzt. Die Bayrische Verfassung fasst die Aufgabe der Schule bei der Werteerziehung nach wie vor sehr gut zusammen: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.“ Die in der Verfassung enthaltenen obersten Bildungsziele lassen sich heute in etwa so übersetzen: Toleranz, Selbstständigkeit, Zivilcourage, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin, Lern- und Leistungsbereitschaft, Kreativität und Fairness.

 

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und die größten Chancen in Blick auf Schule?

 

Mit unserer Bildungspolitik verfolgen wir den doppelten Anspruch, Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit kontinuierlich zu verbessern und da sind wir schon recht gut:

Nationale und internationale Vergleichsstudien bestätigen, dass unsere Schüler bei den wichtigsten Kompetenzen sehr gut abschneiden. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Wir müssen die individuelle Förderung weiter verbessern, damit jedes Kind seine Begabung bestmöglich entfalten kann. Das Schulsystem muss noch durchlässiger werden, damit den jungen Menschen vielfältige Bildungswege offen stehen und wir keine Talente verschenken. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Sprachförderung von Schülern mit Migrationshintergrund. Neue Herausforderungen stellen sich uns beim Ausbau der Ganztagesschule, aber auch bei der inklusiven Bildung, also dem gemeinsamen Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung. Insgesamt gilt: Der Freistaat Bayern investiert so kräftig in Bildung wie kein anderes Bundesland.